Kaltes Nahwärmenetz der TWS in Werther
Paul-Philipp Braun/TEAG

Kalte Wärme und umfassende Ideen

Das könnte Sie auch interessieren

Ausgezeichnet mit einem Nachhaltigkeitsaward, steht das Quartiersprojekt „Lehmkuhle“ in Werther schon heute für einen neuen Weg der Energiegewinnung und -nutzung. Verschiedene TEAG-Unternehmen haben sich an der Ausstattung des Wohngebiets in Nordthüringen beteiligt. Die TWS Thüringer Wärme Service GmbH machte mit einem „Kalten Nahwärmenetz“ den Anfang.

„Lokale Energiequellen werden in Zukunft noch viel wichtiger sein als bisher schon“, sagt Tim Hirth von der TWS Thüringer Wärme Service GmbH und schaut dabei über ein ziemlich leeres Feld. Am Ortsrand vom nordthüringischen Werther gelegen, ist dieses Feld aber alles andere als leer. In seinem Inneren schlummert Energie in Form von Erdwärme. „Diese Wärme nutzen wir, um gezielt Wohnhäuser zu beheizen“, erklärt Hirth und zeigt auf das gerade entstehende Wohngebiet „Lehmkuhle“ in wenigen Metern Entfernung. Hier wachsen gerade einige neue Einfamilienhäuser aus dem Boden. Alle individuell und doch gleich – denn alle haben eine Anschlussstelle für das gerade installierte Wärmenetz.

Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK)
ZfK

Mit diesem „Kalten Nahwärmenetz“ hat die TWS sogar einen Preis gewonnen. Ausgezeichnet mit dem Nachhaltigkeitsaward der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) in der Kategorie Energie mit Gold, ist das Quartiersprojekt in Werther schon kurz nach seinem Entstehen preisgekrönt. In seiner Laudatio hatte Chefredakteur Klaus Hinkel das Netz als „Vorzeigeprojekt“ für die Energie- und Wärmewende im ländlichen Raum gewürdigt. Denn der ländliche Raum ist hier, gut 70 Autokilometer nördlich von Erfurt, wirklich spürbar.

Eine Investition in die Zukunft

Kaltes Nahwärmenetz der TWS in Werther
Paul-Philipp Braun/TEAG

Und genau das soll das „Kalte Nahwärmenetz“ in Werther auch sein: Eine Investition in die Zukunft des ländlich geprägten Thüringens. Dabei geht es darum, den aktuellsten Stand der Technik mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit und Kostengünstigkeit zu verbinden. Rico Bolduan, Geschäftsführer der TWS, ist stolz auf die Auszeichnung und auf den Ansatz selbst: „Es ist unser erstes Projekt in dieser Form und das erste kalte Nahwärmenetz in Thüringen überhaupt. Dass wir damit auch direkt einen Preis gewinnen, zeigt, dass unsere Idee dahinter eine Richtige ist.“

Jene Idee, von der Rico Bolduan spricht, ist ganzheitlich und ziemlich umfänglich: „Es geht uns darum, aus der Kombination von Wärmepumpe und Nahwärmenetz, CO2-neutral zu heizen und so den Menschen in dem neuen Wohngebiet eine energie- und emmissionssparende Möglichkeit für das Privathaus an die Hand zu geben.“

Doch nicht nur das Heizen ist umweltfreundlich. Auch die Verlegung des Nahwärmenetzes auf dem nahegelegenen Feld verlief schnell, lautlos und naturfreundlich. Ideengeber für das ungewöhnliche Verfahren, das die TWS dazu nutzte, war eine andere TEAG-Tochter: die Thüringer Energienetze GmbH, kurz TEN. „Wir haben uns überlegt, dass die Kollegen ihre Stromkabel in einem Pflugverfahren unter die Erde bringen und dafür keinen Tiefbau benötigen. Das haben wir dann unter Laborbedingungen ausprobiert und für unser Projekt adaptiert“, erklärt Tim Hirth. Insgesamt zehneinhalb Kilometer Rohr mit einem Durchmesser von 32 Millimetern sind auf diese Weise sprichwörtlich untergepflügt worden. Binnen zwei Wochen gelang das Experiment. Die ursprünglich angedachte Bauzeit von einem halben Jahr konnte so unterboten werden. Die Natur dankte es und das Feld ist unlängst wieder kultiviert worden.

Kaltes Nahwärmenetz der TWS in Werther
Paul-Philipp Braun/TEAG

Attraktives Wohngebiet dank Glasfaseranschluss und Photovoltaik

Kaltes Nahwärmenetz der TWS in Werther
Paul-Philipp Braun/TEAG

„Hinzu kommt“, erläutert Tim Hirth, „dass wir die insgesamt 8000 Quadratmeter Kollektorfeld so unter die Erde brachten, dass die Ackerfläche auch weiterhin ohne Einschränkungen für die Landwirtschaft genutzt werden kann.“ Der nachhaltige Ansatz manifestiert sich daher auch in diesem Bereich. Ebenso, wie der umfassende Gedanke, den die TEAG mit dem Wohngebiet „Lehmkuhle“ verfolgt. Denn nicht nur die TWS ist an dem Quartier beteiligt, auch die Thüringer Netkom hat ihren Anteil. Die vollständige Erschließung der „Lehmkuhle“ mit Glasfaser bietet einen weiteren attraktiven Aspekt für ein Wohnen in Werther. Die mühelose Fernüberwachung des Netzes kommt gleich mit dazu. Dank Unterstützung der TEAG Solar können die Häuslebauer überdies auch – wenn sie mögen – einen Teil ihres Stroms durch eigene Photovoltaikanlagen erzeugen.

Mit dieser TEAG-Quartierslösung ist auch Claus Müller zufrieden. Als Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Helmetal hat er zusammen mit der Thüringer Energie AG die Idee vom Wohngebiet entwickelt. Das Land für die bis zu 33 Einfamilienhäuser gehört der Genossenschaft und die Möglichkeit auf öffentliche Förderung bestand durch das gemeinsame Wirken von Energiegenossenschaft und TEAG auch. So war es beispielsweise das Green-Invest-Programm der Thüringer Aufbaubank, das rund die Hälfte der Investitionskosten für das Wärmenetz trug. Immerhin 137.000 Euro wurden so gefördert. „Es geht und um die Menschen hier und um das nachhaltige Prinzip“, erklärt Claus Müller, der die Technik der Zukunft, die an der „Lehmkuhle“ verbaut wurde, durchaus zu schätzen weiß. „Wir alle wissen, dass fossile Energieträger nicht endlos sind und dass der Krieg in der Ukraine die Energiekrise noch einmal verschärft hat“, betont Müller und Rico Bolduan fügt einen wichtigen Aspekt des kalten Nahwärmenetzes hinzu: „Was im Winter zum Heizen dient, das kann im Sommer auch zum Kühlen genutzt werden. In Zeiten von steigenden Durchschnittstemperaturen ist das schon interessant.“