Bild: Besuch im Heizkraftwerk Jena

Auf Rundgang

HKW Jena sichert Wärmezukunft

Ab November gilt im Heizkraftwerk Jena der Winterfahrplan. Mittels Kraft-Wärme-Kopplung werden hier hocheffizient Wärme und Strom erzeugt. Wir haben Kraftwerksleiter Mario Schroth bei seinem Rundgang durch die Anlage begleitet.

Wenn das Heizkraftwerk Jena hochgefahren wird, hat meist der Prophet orakelt, dass in Jena wieder Fernwärme benötigt wird. Das Heizkraftwerk der TEAG versorgt mit 225 MW Fernwärmeleistung etwa 50 Prozent der Wohnungen, Gewerberäume und Industriebetriebe der Stadt mit Fernwärme. Diese strömt über ein 226 Kilometer langes Heißwassernetz in die Universitätsstadt. Auch der Blick auf die Anlage lässt die Dimensionen erahnen, in denen hier seit 1972 Energie erzeugt wird. Doch bei aller Größe: Manchmal genügt ein Flügelschlag, um die Routinen des Kraftwerksbetriebs zu durchbrechen. „Neulich flog ein Rabe gegen eine unserer Sammelschienen“, erinnert sich Kraftwerksleiter Mario Schroth. „Ein Knall, ein Kurzschluss und wir mussten die Dampfturbine kontrolliert herunterfahren, um die notwendigen Reparaturen in Angriff zu nehmen.“ Unvorhergesehene Ereignisse bringen die 44 Mitarbeiter, die im Drei-Schicht-System im Kraftwerk arbeiten, aber nicht wirklich aus der Ruhe.

Ich kenne hier jede Schraube.

– Schichtleiter Ralf Böcker

„Wir haben auf beinahe jede Situation sofort auch die passende Antwort parat, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, garantiert der Kraftwerksleiter. Dazu zählen Checklisten, Arbeitsanweisungen, redundante Systeme und natürlich der Erfahrungsschatz der Mitarbeiter. Schichtleiter Ralf Böcker zum Beispiel ist seit 1979 im Kraftwerk tätig. Als er anfing, waren hier noch 350 Mitarbeiter beschäftigt. Damals wurde das Heizkraftwerk mit Schweröl, später mit Braunkohle befeuert. Wenn Böcker Sätze wie „Ich kenne hier im Prinzip jede Schraube“ sagt, dann ist das keine Übertreibung.

Der erfahrene Kraftwerker war stets mit von der Partie, wenn die Anlage umgebaut wurde. Seit 1996 setzt man im Heizkraftwerk auf umweltfreundliches Erdgas. 2011 wurde das HKW zur Effizienzsteigerung modernisiert und mit einem riesigen, 42 Meter hohen Heißwasserspeicher ausgerüstet. Seitdem erzielt die TEAG hier mittels Kraft-Wärme-Kopplung Spitzen-Wirkungsgrade von bis zu 85 Prozent. Gleichzeitig konnten die Emissionen gesenkt werden.

Bild: Blick auf das Heikkraftwerk Jena der Thüringer Energie
Blick auf das Heikkraftwerk Jena der Thüringer Energie
Bild: Blick auf eine der drei Gasturbinen im Heizkraftwerk Jena

Wichtige Routinen im Alltag

Seit 2013 ist Schroth Kraftwerksleiter. Mit seinen 40 Jahren schultert er eine große Verantwortung – für seine Mitarbeiter, für das Kraftwerk und dafür, dass die Wohnungen in Jena warm sind. „Nein, kalte Füße habe ich in meinem Job bislang nicht bekommen“, scherzt der Ingenieur. „Ich steige nicht in jedes Thema ein und kann nicht alle Probleme persönlich lösen. Wichtig ist es, den Überblick zu behalten und Aufgaben zu delegieren.“ Dafür hat Mario Schroth in seinem Alltag wichtige Routinen entwickelt. Der Tag beginnt 7.30 Uhr mit dem Frührapport mit Mitarbeitern aller wichtigen Kraftwerksbereiche. „Wir gehen den Tagesablauf durch, planen Instandhaltungsmaßnahmen und besprechen die Fahrweise des Kraftwerks.“ Ein Rundgang durch die Kraftwerksanlagen inklusive Stippvisite im Leitstand gehören ebenfalls zum Tagesprogramm. „Genauso wie das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen“, ergänzt Schroth. „Das schweißt zusammen.“

Frag den Propheten

Mario Schroth braucht den direkten Draht zu seinen Mitarbeitern, denn er muss hin und wieder Überzeugungsarbeit leisten. „Die Fahrweise des Kraftwerks hat sich über die Jahrzehnte bis heute komplett verändert. Erfahrene Kollegen wie Ralf Böcker haben in den 70er und 80er Jahren alles dafür getan, damit das Kraftwerk seine Leistungsfähigkeit permanent ausschöpft. Heute fahren wir das Kraftwerk im Stundentakt hoch und runter. Für Kraftwerker eine völlig neue Situation. Das ist so, als ob man einem Rennfahrer sagt, dass er nicht Vollgas geben darf.“ Um das HKW wirtschaftlich zu betreiben und den Anforderungen der Energiewende nachhaltig gerecht zu werden, wurde es 2011 modernisiert. Seitdem kann die Strom- von der Wärmeerzeugung entkoppelt werden. Steigt der Strompreis, wird das Kraftwerk hochgefahren. Dann lässt sich der produzierte Strom an der Börse gut verkaufen. Die miterzeugte Wärme wird, wenn sie nicht benötigt wird, als Heißwasser gespeichert. Sinken die Strompreise, wird das Kraftwerk gedrosselt. Die Speicher dienen dann als Wärmereservoir.

Doch was hat es nun mit dem Propheten auf sich? „So heißt das Programm des Fraunhofer Instituts, das aus Wetterdaten, Wochentagen, Klimazahlen und weiteren Informationen voraussagt, wie viel Fernwärme in Jena benötigt wird. Daraus erstellt der Leiter Betrieb einen tagesaktuellen Fahrplan für das Kraftwerk“, verrät Mario Schroth.

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