Hartmut Bochhammer hat nach verkürzter Ausbildung seinen Abschluss zum Industrieelektrikeran an der TEAG Akademie gemacht.
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Man lernt nie aus: Vom Werkzeugmechaniker zum Industrieelektriker

Fast hätte er die Zeugnisübergabe verpasst: In der Nacht vor der Abschlussfeier der Azubis im Januar 2022 an der TEAG Akademie hatte es in ganz Thüringen geschneit. Für Hartmut Bochhammer, der von Schmalkalden aus eine 90km-lange Anreise nach Erfurt hat, brachte der Wintereinbruch einen langen Stau mit sich. Doch obwohl er als letzter in den Raum kommt, hat er es noch pünktlich geschafft und kann mit allen anderen Auszubildenden sein Abschlusszeugnis entgegennehmen.

Er ist einer von zwei Umschülern in der Klasse, die nach verkürzter Ausbildung zum Industrieelektriker, ihren Abschluss an der TEAG Akademie gemacht haben. Nicht nur das unterschiedet ihn von den anderen Absolventen: Er ist mit seinen 28 Jahren fast zehn Jahre älter als seine Mitschüler, hat bereits einen siebenjährigen Sohn und auch sein Prüfungsergebnis ist etwas Besonderes. Mit 98 Prozent hat er das beste Ergebnis in dieser Runde und vermutlich auch eines der besten Ergebnisse in ganz Deutschland erzielt.

Der Ausbildungsleiter der TEAG Akademie, Johannes Trümper, fasst diesen Erfolg bei der Zeugnisübergabe nochmal zusammen und lobt Hartmut Bochhammer für seine Disziplin: „Nicht jeder hat den Mut für einen Neustart. Du hast dich dieser neuen Herausforderung gestellt und mit Bravour bestanden. Wir wünschen dir viel Erfolg an deinem neuen Arbeitsplatz beim TEAG-Heizkraftwerk in Bad Salzungen.“

Mit Stolz nimmt Hartmut Bochhammer sein Abschlusszeugnis entgegen. Dafür hat er die letzten Monate hart gearbeitet. Über mehrere Monate hat er sich intensiv auf die Prüfungen vorbereitet. Durch seine verkürzte Ausbildung und die Corona-Pandemie hatte er sich viel von dem Lernstoff im Selbststudium zu Hause beigebracht. Nach seinem Realschulabschluss hatte er zunächst Werkzeugmechaniker gelernt. Nach der 3,5jährigen Ausbildung hatte er 6,5 Jahre in einer Firma in Schmalkalden Drehmaschinen programmiert und eingerichtet. Diese Vorerfahrung und vor allem sein handwerkliches Geschick haben ihm auch in der Umschulung geholfen.

Entschluss fällt auf der Berufsmesse Schmalkalden

Man lernt nie aus: Vom Werkzeugmechaniker zum Industrieelektriker
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Den Entschluss für eine Umschulung zum Industrieelektriker bei der Thüringer Energie AG (TEAG) hat er auf der Berufsmesse in Schmalkalden im Oktober 2019 geschlossen. „In der Metallbranche wird vieles digitalisiert. Man braucht immer weniger Personal. Da habe ich mir auch Gedanken über meinen Job gemacht“, fasst Hartmut seine Gedanken zur beruflichen Neuorientierung zusammen. Die TEAG war ihm zwar bereits ein Begriff, aber an einen Job dort, hatte er bis dato nicht gedacht. „Ich suchte nach einem technischen Beruf in einem zukunftssicheren Unternehmen. Besonders wichtig war mir, dass die Stelle nicht weit von meinem Heimatort entfernt ist. Als ich am Stand der TEAG war, hat einfach alles zusammengepasst“, beschreibt Hartmut seine erste Berührung mit seinem jetzigen Arbeitgeber auf der Berufsmesse. Als Thüringer Unternehmen hat die TEAG in ganz Thüringen regionale Standorte. Einer davon ist das Heizkraftwerk in Bad Salzungen, weniger als 20 Minuten Autofahrt von Hartmuts Wohnort entfernt. Für diesen Standort wurde ein Ausbildungsplatz zum Industrieelektriker vergeben.

Nach einem Einstellungstest und einem Kennlerngespräch gab es direkt die Zusage für die Umschulung. „Ich habe mich nur dort beworben. Ich war mir sicher, dass es das richtige für mich ist“, erklärt Hartmut rückblickend. Im August 2020 begann für ihn die Umschulung in der TEAG Akademie in Erfurt. Das bedeutete für ihn für ein Jahr lang fast tägliches Pendeln mit dem Auto von Schmalkalden nach Erfurt. Das sind 180 km am Tag für Hin- und Rückfahrt. Eine Übernachtung in Erfurt kam für Hartmut nicht in Frage. „Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich wollte meinen Sohn jeden Abend ins Bett bringen. Dafür bin ich auch gern gependelt. Ich wusste immer, dass es nur für die Ausbildung ist. Danach werde ich wieder heimatnah arbeiten können“.

Für den weiten Arbeitsweg und das tägliche Pendeln konnte ihm die TEAG sogar einen finanziellen Ausgleich anbieten. Denn für die Zeit der Ausbildung verdiente Hartmut weniger als noch als vollberufstätiger Werkzeugmechaniker. Aber das schreckte ihn nicht ab: „Nach Abschluss meiner Umschulung zum Industrieelektriker verdiene ich jetzt mehr als vorher. Ich sehe das als Investition“, freut sich Hartmut über den Zugewinn.

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Einer der besten

Mit seinem sehr guten Ergebnis in der Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat Hartmut seine Umschulung als bester der Ausbildungsgruppe in Erfurt abgeschlossen. Bei 98 von 100 Punkten hat er kaum Fehler gemacht. Das liegt vor allem an seiner intensiven Vorbereitung. Die letzten Wochen hat er sich an älteren Prüfungen probiert. Was er dort falsch machte, hat er später genau analysiert und extra geübt. Im Zweifel bedeutete das auch, bis spät in die Nacht zu lernen: „Am meisten Ruhe hatte ich, wenn mein Sohn im Bett war. Dann habe ich die Zeit genutzt, um mich auf die Prüfung vorzubereiten“, so Hartmut.

Wer seine Abschlussprüfung bei der IHK mit mehr als 91 Punkten abschließt, das entspricht der Schulnote eins, hat Chancen auf einen Titel als bester Auszubildender des Jahres. Ob Hartmut mit seinen 98 Prozent tatsächlich der beste im Bereich der Industrieelektriker ist, wird sich noch zeigen. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen. Aber auch ohne diesen Titel ist Hartmut sehr zufrieden mit seinem Ergebnis. Er wurde direkt von der TEAG übernommen und arbeitet jetzt, wie erhofft, im Heizkraftwerk in Bad Salzungen, unweit seiner Heimatstadt Schmalkalden. Dort überwacht er jetzt mit seinen Kollegen den Leitstand und kontrolliert sämtliche Prozesse im Kraftwerk und an den Standorten außerhalb. Seine Freizeit genießt er mit der Familie. „Die Umschulung hat mir ein komplett neues Leben geboten. Ich habe jetzt einen Job in einer zukunftssicheren Branche und kann meiner Familie finanziell mehr bieten. Bei der Ausbildung in der TEAG Akademie bin ich nochmal über mich hinausgewachsen und habe tolle neue Leute kennengelernt. Ich bin sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein“, so Hartmut abschließend.