Elektrifizierung: Skepsis und neue Chancen
TEAG
Der Elektrifizierung schlägt noch bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts eine gehörige Skepsis entgegen, auch wenn sie das Leben von vielen Menschen revolutionierte, so Matthias Wenzel, Mitarbeiter im Bereich „Klassische Kommunikation“ der TEAG und Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Stromgeschichte Thüringens“.
Viele Menschen befürchten, dass von Stromleitungen schädliche elektromagnetische Strahlung ausgehen würde, die zu schlechten Ernten und niedrigeren Geburtenraten bei Menschen und Haustieren führen könnte, nachweislich ein Irrglaube. „Auch den Ärger über Stromtrassen, die das Landschaftsbild beeinträchtigen würden, gab es schon vor über 100 Jahren“, so Matthias Wenzel. „Das ist nichts Neues.“
Die Elektrifizierung verändert die Lebensverhältnisse, beginnend am Ende des 19. Jahrhunderts, zunächst in Städten, deutlich. Durch elektrische Beleuchtung, vorrangig an repräsentativen Gebäuden, später durch Straßenlaternen an großen Plätzen und durch Leuchtreklamen wird in den industriellen und wirtschaftlichen Zentren die Nacht zum Tag.
Dynamo und Elektromotor elektrisierten Produktionsprozesse in den Fabriken. Sie verdrängen die Dampfmaschine und ermöglichen einen flexiblen Einsatz von Antriebssystemen. Diese Innovationen erhöhen die Produktivität deutlich. In den 1930er Jahren wird der Stromanschluss dann auch im ländlichen Raum zur Normalität.
Die erste nachweisliche Stromnutzung in Thüringen erfolgt Ende 1877 in der Fabrik von Louis Hirsch in Gera. Waren es zunächst Fabrikanten und Mühlenbetreiber, die die Vorteile des Stroms für ihre Produktion erproben wollten, begann 1887 mit der elektrischen Straßenbeleuchtung im Bereich Rathaus und Fischmarkt in Erfurt der öffentliche Stromeinsatz. Etwa 35 Jahre später, mittlerweile waren etwa 90 Prozent der thüringischen Städte und Gemeinden elektrifiziert, wird im Oktober 1923 in der damaligen Landeshauptstadt Weimar die „Thüringische Landeselektrizitätsversorgungs A.G. Thüringenwerk“ – der historische Vorläufer der TEAG - mit der landesweiten Stromversorgung beauftragt. Eine große Herausforderung, auch aufgrund der komplexen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, kurz nach der Gründung des Landes Thüringen im Jahr 1920.
Gründung des Arbeitskreises Stromgeschichte
Zur 75-jährigen Wiederkehr der Gründung des Thüringenwerks, formierte sich, auf Initiative der TEAG, im September 1996 eine Arbeitsgruppe. Diese sollte die inhaltliche Vorbereitung des Jubiläums übernehmen und eine Materialsammlung für eine Festschrift und für eine geplante mehrmonatige große Ausstellung erarbeiten. Damit war der Grundstein für den Arbeitskreis zur Stromgeschichte gelegt.
Matthias Wenzel und weitere Fachleute wie Walter Schossig, Netzschutzingenieur der TEAG, Siegmar Neuhaus, Leiter der ehemaligen Netzbefehlsstelle Gotha, sowie Dr. Peter Glatz, Physikdozent an der Pädagogischen Hochschule Erfurt, fanden sich und mussten feststellen, dass es in Bezug auf die Energiegeschichte in Thüringen weder an den Hochschulen noch in Unternehmen systematische historische Sammlungen gab.
Auf Initiative der TEAG und aus dem großen persönlichen und beruflichen Interesse der Experten heraus, entstand 1997 mit dem Arbeitskreis eine Gruppe aus Ingenieuren, Technikern, Historikern und Energiefachleuten, die sich der Aufarbeitung der Strom- und im späteren auch der Gasgeschichte in Thüringen widmete.