Die TEAG hat mal einen Tag ins Büro des Weihnachtsmannes reingeschnuppert.
Guido Werner/TEAG

Bei den Wichtelinnen im Weihnachtspostamt Himmelsberg

Schreiben Sie doch zusammen mit Ihren Kindern oder Enkeln deren Wünsche an den Weihnachtsmann auf.
Guido Werner/TEAG

Wer nicht an den alten Mann im roten Mantel und mit weißem Rauschebart glaubt, der kann ruhig aufhören zu lesen. Aber wer gern den Zauber der Weihnacht noch einmal spüren will, der schnappt sich besser einen Stift und etwas Papier.

Schreiben Sie doch zusammen mit Ihren Kindern oder Enkeln deren Wünsche an den Weihnachtsmann auf. Wenn Sie den Brief bis zum 21. Dezember an das Weihnachtspostamt in 99706 Himmelsberg schicken, erhalten Sie garantiert noch rechtzeitig eine Antwort!


Die TEAG hat mal einen Tag ins Büro des Weihnachtsmannes reingeschnuppert. Und eins steht fest: im alten Backhaus der 140-Seelen-Gemeinde Himmelsberg bei Sondershausen herrscht schon emsiges Treiben! Die neun fleißigen Wichtelinnen haben alle Hände voll zu tun. Denn der große Holztisch ist vollgepackt mit Briefen. Mal sind die Umschläge liebevoll verziert, mal wurden Adressat und Absender in mühevoller Schnörkelschrift geschrieben. Auf andere Briefe wurde hastig draufgekritzelt, als hätten die kleinen Kinderhände Angst, ihre Wünsche könnten es nicht mehr pünktlich zum Weihnachtsmann schaffen.

„Keine Sorge, bei uns wird jeder Brief beantwortet“, beruhigt Manuela Verges. „Auch um Schreiben, die nach Heiligabend oder im Hochsommer bei uns eintrudeln, kümmern wir uns gern.“ Die 55-Jährige ist die Chefin vom Weihnachtspostamt. Lächelnd beißt sie in einen Lebkuchen, während sie sich ihre Wichtelmütze zurechtrückt und weiterliest. In den Tassen dampft heißer Punsch und aus dem Radio tönt „Last Christmas“ von Wham während im alten Kachelofen das Holz vor sich hin knackt. Immer wieder lachen die Frauen herzlich über die zauberhaften Wünsche der Kinder. Emma freut sich über einen Besen und eine Waschmaschine, weil sie gern bei der Hausarbeit hilft. Leonard träumt von einem eigenen Grill, um mit Papa Würstchen zu brutzeln. Und Clara hätte gern eine rote Kuh von Santa Claus.

Bei den Wichtelinnen im Weihnachtspostamt Himmelsberg
Guido Werner/TEAG

Herzzerreißende Briefe

Aber manchmal wird es im Backhaus für einen Moment lang still. Dann kullern auch schon mal ein paar Tränen, wenn ein kleiner Junge sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sein verstorbener Opa wieder aus dem Himmel zurückkommt. „Das sind Wünsche, die wir leider nicht erfüllen können“, gesteht die Postamts-Chefin. „Solche Briefe zerreißen einem das Herz.“ Das seien Sehnsüchte, die die Frauen von Himmelsberg nicht vergessen. „Letztes Jahr haben sich fast alle Kinder gewünscht, dass Corona endlich vorbei ist“, erzählt Manuela Verges. „Dieses Jahr bitten sie auch noch darum, weiter in die Kita und Schule gehen zu dürfen.“ Besonders schöne oder originelle Schriftstücke landen in einem Ordner.

Der Postbote schleppt jetzt täglich säckeweise davon ins alte Backhaus. Manchmal hört man ihn kurz unter der schweren Last stöhnen, doch alle im Dorf wissen, dass er es gern macht. So wie die Frauen des Heimatvereins. Sie treffen sich jeden Mittwoch im Advent zum gemeinsamen Briefe beantworten. Manuela Verges: „Oft nehmen wir sie mit nach Hause, weil wir es kaum noch schaffen.“

Für diesen Job müsse man brennen, denn alle Frauen arbeiten ehrenamtlich, neben ihrem Hauptberuf. Seit 1997 gibt es das Weihnachtspostamt in Himmelsberg. Manuela Verges erinnert sich: „Die Idee ist aus der Not heraus geboren. Unser kleines Dorf sollte zu Schernberg eingemeindet werden und der Name Himmelsberg für immer von der Landkarte verschwinden.“ Das ist zum Glück nie passiert. Sonst könnten sich die Frauen nicht jedes Jahr durch bis zu 7.000 Briefe lesen. Ihre kleinen Verfasser schreiben aus Amerika, Thailand, Taiwan, Frankreich, England, Russland, die meisten aber aus Deutschland. Bisher sind etwa 600 Briefe angekommen, jetzt werden es täglich etwa 250 Stück mehr sein. Jedes Kind erhält ein vorgefertigtes und personalisiertes Antwortschreiben mit einem Weihnachtsmannstempel. Papier und Briefmarken stellt die Post.

Und was wünschen sich die fleißigen Helferinnen eigentlich vom Weihnachtsmann? Manuela Verges: „Das Gleiche wie die Kinder – dass Corona endlich vorbei ist!“

  • Was denken Sie? Was sind die Top 5 der Kinderwünsche 2021?

    • Dinosaurier
    • Toniebox
    • Lego
    • Poppet
    • Schleim
Weihnachtspostamt in 99706 Himmelsberg
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