Paul-Philipp Braun/TEAG

TEAG Mobil eröffnet ersten Megawatt-Ladepark Thüringens

Die Batterie laden – für LKW und Trucker

Auf dem Lomo-Autohof in Zella-Mehlis wurde der erste Megawatt-Ladepark Thüringens eröffnet. Sieben TEAG-Ladesäulen sollen im Endausbau dafür sorgen, dass E-LKW-Fahrerinnen und -Fahrer künftig zuverlässig Strom tanken können.

Überblick

  • Erster Megawatt-Ladepark in Thüringen: Die TEAG Mobil hat Anfang Oktober auf dem Lomo-Autohof in Zella-Mehlis den achten Megawatt-Ladepark Deutschlands für E-LKW eröffnet.
  • Im ersten Bauabschnitt vier Stellplätze mit 400 kW Ladeleistung und zwei Stellplätze mit einem Megawatt Ladeleistung: Mit dem Megawatt Charging System (MCS) laden schwere Sattelzüge binnen etwas mehr als einer halben Stunde, leichtere Fahrzeuge in rund 20 Minuten auf 80 Prozent. Im zweiten Bauabschnitt soll die Zahl der Ladesäulen nochmals erhöht werden. Im Endausbau können dann sieben E-LKW gleichzeitig laden.
  • Strategischer Standort: Der Autohof liegt an der Steigung vor dem Südportal des Rennsteigtunnels an der Autobahn 71, den täglich mehrere Tausend LKW passieren.
  • Ausbau geplant: Insgesamt sollen in den nächsten Jahren fünf große Ladeparks dieser Art in Thüringen entstehen.

Trucker im O-Ton: „Will es nicht mehr anders“

Carlo Bansini/TEAG

'1.000 kW max' steht in weißer Schrift auf dem Asphalt. Dahinter steht eine summende Ladesäule, aus der diese bis zu 1.000 Kilowatt elektrischer Leistung kommen sollen und wieder dahinter steht eine kleine Gruppe von Männern. „Wer das einmal elektrisch ausprobiert hat, der will es nicht mehr anders“, sagt einer von ihnen auf die Frage einer nahestehenden Reporterin der örtlichen Tageszeitung. Sie hatte die Männer, allesamt in irgendeiner Form mit dem Beruf des Kraftfahrers verbunden, nach ihrer Meinung zu Elektro-LKW gefragt. Und damit traf sie ins Schwarze, denn alle vier schwärmen vom Mehrwert, den das Fahren auf dem „Elektro-Bock“ mit sich bringt.

Unter ihnen ist auch Cisell Kirchner, Abteilungsleiter für Transport bei der Deutschen Post und DHL im Erfurter Güterverkehrszentrum. Sein Team setzt immer stärker auf die Elektroalternative zum herkömmlichen Diesel und fährt damit sprichwörtlich gut. Ein ruhigeres und entspannteres Fahren sei es, auf langen Strecken würde die Vibration des Diesels nicht mehr anstrengen und zugleich „ist das Rangieren damit viel angenehmer.“ Einer der Trucker-Kollegen aus der Runde pflichtet ihm bei und ergänzt: „Besonders am Berg merken wir die Unterschiede. Die Kraft ist da und liegt direkt an.“

Dass dies besonders im Winter, wenn LKW immer wieder an Steigungen hängen bleiben und es dann zu Staus kommen kann, ein wirklich wertvoller Mehrwert sei, darin sind die Männer sich einig. Und dafür sind sie hier, auf dem Lomo-Autohof in Zella-Mehlis, am richtigen Ort. Gut 160 Höhenmeter müssen Autos und LKW zwischen der Talsohle unweit des Rasthofs und dem Südportal des Rennsteigtunnels an der Autobahn 71 überwinden. Für einen E-LKW, der über eine gute Traktionskontrolle verfügt und ohne Zugkraftunterbrechung beschleunigen kann, lassen sie sich leichter bewältigen als beim herkömmlichen Diesel. Dass aber vor dem Berg auch ausreichend Strom da ist, dafür sorgt die TEAG-Tochter TEAG Mobil.

Der neue Megawatt-Ladepark im Detail

Paul-Philipp Braun/TEAG

Anfang Oktober eröffnete die TEAG Mobil auf dem Autohof den ersten Megawatt-Ladepark im Freistaat. „Das ist nun der achte in Deutschland“, erklärte TEAG Mobil-Geschäftsführer Denis Schuldig bei der Eröffnung. Mit dem anliegenden Megawatt Charging System, kurz MCS, können die LKW-Fahrer ihre Fahrzeuge in rund 20 Minuten auf 80 Prozent laden, schwere Sattelzüge wie Mercedes e-Actros oder der MAN eGTX brauchen dafür etwas mehr als eine halbe Stunde. „Das ist kein Zeitverlust, wenn man die Lenkzeiten mit einberechnet“, sagt einer der Männer aus der Trucker-Runde und ein anderer erklärt gegenüber der Zeitungsreporterin, dass die meisten LKW-Batterien inzwischen genug Speicherkapazität hätten, um gut durch den Fahrtag zu kommen. Auch, weil selbst der große Tank eines Dieselfahrzeugs die Reichweite weniger bestimme als die machbare Distanz, die ein Fahrer pro Tag zurücklegen könne.

Höchstens etwas mehr als 700 Kilometer – „Aber nur, wenn da keine Baustelle, kein Stau und auch sonst freie Fahrt ist“, sagt Cisell Kirchner – können die großen Maschinen machen. Danach gehen sie in die Pause und können, wenn es die örtliche Infrastruktur hergibt, wieder geladen werden. In Zella-Mehlis ist diese Infrastruktur nun geschaffen. An den sieben TEAG Mobil-Ladesäulen, darunter zwei 1 Megawatt-Anlagen, können die Fahrerinnen und Fahrer künftig die Batterien der Zugmaschinen aufladen. Und mehr noch, auch die individuelle Infrastruktur auf dem Lomo-Autohof lädt zum Pausieren und damit zum Laden der eigenen Batterie ein.

Eröffnung des Ladeparks
Carlo Bansini/TEAG

Vom ersten Anruf zum fertigen Ladepark

Carlo Bansini/TEAG

Snackautomaten, Duschen, mehrere Waschmaschinen und sogar eine Lounge laden die Fernfahrerinnen und -fahrer hier zum Ausruhen und Pausieren ein. Dass es nun auch noch die Möglichkeit gibt, einen der deutschlandweit rund 2.000 zugelassenen E-LKW aufzuladen, ist für Autohof-Inhaber Markus Koschitzky nur folgerichtig. Über den Instagram-Kanal war der vor einiger Zeit auf die Projekte der TEAG Mobil gestoßen. „Dann habe ich dort einfach angerufen und gesagt, dass wir hier Platz und Interesse an einer Ladestation hätten“, erzählt der Kaufmann Koschitzky.

Keine Woche habe es gedauert, bis aus dem ersten Telefonat ein erstes Planungstreffen mit den Projektverantwortlichen geworden sei. Und auch der Rest, also Aufbau und Einrichtung der Ladepunkte, sei dann ganz schnell und unkompliziert gegangen. Den ersten Megawatt-Ladepark Thüringens sieht Markus Koschitzky, der den Autohof zusammen mit seiner Frau Jasmin führt, als eine klare Bereicherung für die Region und vor allem für die LKW-Fahrerinnen und -Fahrer. Rund 3.000 bis 4.000 Lastkraftwagen passieren laut einer Zählung der Bundesanstalt für Straßenwesen täglich den Rennsteigtunnel, der Großteil ist derzeit jedoch noch dieselbetrieben.

Dass sich dies in der Zukunft ändern wird, davon ist auch Dr. Christian Thewißen, Vorstandsmitglied der TEAG Thüringer Energie AG, überzeugt. Bei der Eröffnung nennt er diesen ersten Ladepark einen „Meilenstein, was das Thema E-LKW-Ladeinfrastruktur in Thüringen betrifft“. Für die kommenden Jahre seien weitere LKW-Lade-Hotspots geplant. Insgesamt sollen fünf der großen Ladeparks entstehen, ergänzt Denis Schuldig. Sein technischer Geschäftsführer-Kollege Benjamin Constantin betont dabei, dass das Angebot aber vor allem für die Nutzerinnen und Nutzer passen müsse. Ein Fakt, der in Zella-Mehlis genauso gegeben sei, wie die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Institutionen in Suhl und Zella-Mehlis.

  • Mit dem Megawatt Charging System laden leichtere E-LKW in etwa 20 Minuten auf 80 Prozent. Schwere Sattelzüge wie der Mercedes eActros oder der MAN eGTX brauchen dafür etwas mehr als eine halbe Stunde.

  • MCS steht für Megawatt Charging System, einen neuen Ladestandard für schwere Nutzfahrzeuge. Er liefert deutlich mehr Leistung als bisherige E-LKW-Ladesäulen, Fahrer kommen so mit kürzeren Pausen aus.

  • Ja. Die Batterien moderner E-LKW reichen inzwischen für einen vollen Fahrtag. Wichtiger als die reine Reichweite sind ohnehin die vorgeschriebenen Pausenzeiten der Fahrerinnen und Fahrer, und die lassen sich mit dem Laden gut verbinden.