Paul Phillip Braun/TEAG

Neues Fernwärmenetz in Gera-Langenberg eröffnet

Ein innovatives Kraft-Wärme-Kopplungssystem (iKWK) versorgt derzeit etwa 800 Wohnungen

Nach knapp fünf Jahren Planungs- und Bauzeit hat die TWS Thüringer Wärme Service in Gera-Langenberg eine innovative Heizanlage in Betrieb genommen. Die Kombination aus Blockheizkraftwerk, Wärmepumpen und Power-to-Heat-Anlage versorgt derzeit etwa 800 Wohnungen.

Überblick

  • Synergien genutzt: BHKW, Wärmepumpen, Gaskessel und Power-to-Heat-Anlage ergänzen einander.
  • Strom und Wärme für die Region: Jährlich entstehen 6,5 Gigawattstunden Wärme, zusätzlich wird Strom erzeugt und direkt ins Netz eingespeist.
  • Nachhaltig geplant: Etwa 40 Prozent der Wärme kommt aus erneuerbaren Energien.

 

Projektpartner zu Gast im Heizhaus

Carlo Bansini/TEAG

An diesem Donnerstag Ende Januar fallen dicke Schneeflocken auf Gera-Langenberg. Der Winter zeigt bei Temperaturen deutlich unterhalb des Gefrierpunkts, was er kann. Peter Tasche freut sich über das Wetter. Nur ein paar Hundert Meter sind es von seiner Wohnung in der Steinbeckstraße zum Heizhaus.

Als Aufsichtsratsmitglied der Wohnungsgenossenschaft "Neuer Weg" e.G. ist er einer der ca. 60 Gäste, die sich zur Heizhauseröffnung auf den Weg gemacht haben. Anders als Peter Tasche, haben viele der Gäste einen weiten Weg über die verschneiten Autobahnen auf sich genommen, um in Gera die Zukunft des Heizens zu bestaunen. Es sind Partner und Mitarbeitende der TEAG-Gruppe, die nicht nur aus Erfurt, sondern auch aus Apolda oder Pößneck gekommen sind. TEAG-Vorstand Stefan Reindl ist ebenfalls bei der Eröffnung vor Ort. Er sei es gewesen, der sich das Winterwetter gewünscht habe – auch um zu zeigen, wie gut die Anlage der TWS funktioniere.

Innovativer Ortsteil, moderne Wärmeversorgung

Carlo Bansini/TEAG

Jana Höfer ist Technische Vorständin der Wohngenossenschaft "Neuer Weg" eG. Mit mehr als 400 im ersten Bauabschnitt fertiggestellten Wohnungen und 228 bis 2030 geplanten Einheiten ist die Wohngenossenschaft einer der größten Kunden der neuen Heizanlage und von Beginn an in die Planungen eingebunden worden. In einem kleinen Grußwort, das Jana Höfer vor den mächtigen Metallrohren der Power-to-Heat-Anlage hält, berichtet sie von der Langenberger Geschichte: Es handele sich um einen innovativen Ortsteil, in dem unter anderem die "Erste Reußische Klaviaturenfabrik" stand. Und sie betont: "Mit der neuen Wärmeversorgung erhält der Stadtteil eine zeitgemäße und nachhaltige Wärmeerzeugung, effizient, umweltfreundlich und zentral beheizt."

Einmaliges Wärmekonzept in Thüringen

Paul Philipp Braun/TEAG

Doch was macht das Heizhaus in Gera-Langenberg so besonders? Kurz gesagt ist es die Kombination aus verschiedenen Wärmetechniken, die in dieser Form in ganz Thüringen einmalig ist und die zu Recht das Prädikat "State of the Art" verdient. Neben einem Blockheizkraftwerk (BHKW) sorgen auch vier Wärmepumpen und zwei Gaskessel sowie ein Elektrokessel für gleichbleibende und zuverlässige Wärme in den Häusern und Wohnungen der Umgebung. Jährlich können so etwa 6,5 Gigawattstunden erzeugt werden. Das Gesamtprojekt ist damit ein innovatives Kraft-Wärme-Kopplungssystem (iKWK), das neben Wärme auch Strom für das nahegelegene Umspannwerk erzeugt.

500 Tonnen weniger CO2

Paul Philipp Braun/TEAG

Rico Bolduan, Geschäftsführer der TWS, betont insbesondere den umweltsensiblen Aspekt. Durch die Einsparung von gut 500 Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich, leistet das neue Heizhaus nicht nur seinen Beitrag zur Energiewende, sondern ist auch ein wesentlicher Bestandteil der kommunalen Wärmeplanung in Gera. 

Tomas Krauße ist Klimaschutzmanager der kreisfreien Stadt in Ostthüringen und an diesem Eröffnungstag sichtlich stolz auf das, was TWS, Stadt und Wohngenossenschaft "Neuer Weg" eG hier gemeinsam vorangebracht haben: "Mit etwa 40 Prozent an Wärme aus erneuerbaren Energien, kommen wir hier schon wirklich in einen guten Bereich. Hinzu kommt, dass die TWS von Beginn an die hiesigen Strukturen berücksichtigt hat und sogar eine Option für die Erweiterung des neuen Fernwärmenetzes geschaffen hat. Das ist nicht selbstverständlich, aber war hier von Beginn an Bestandteil der Überlegungen." 

 

Erweiterung des Fernwärmenetzes bis 2030

Bis 2030 sollen weitere Wohnungen an die nachhaltige Fernwärmeversorgung angeschlossen werden. Auch der Austausch mit dem örtlichen Kläranlagenbetreiber sei dafür ein relevanter Schritt, sagt Thomas Krauße. Die Nutzung des Kläranlagenabflusses könne er sich gut als Wärmequelle vorstellen. Für Anwohner Peter Tasche ist dies Zukunftsmusik. Der Ingenieur freut sich nun erst einmal, dass trotz des Winterwetters seine Wohnung warm ist.

"Als ich 1966 hier eingezogen bin, haben wir noch mit Öfen geheizt. Dann kam die Gasheizung und jetzt setzen wir eben auf Erneuerbare", sagt Peter Tasche. Von Beginn an sei er ein Freund des innovativen Systems gewesen: "Als der Wärmeträger umgestellt wurde, hat es bei uns kurz in der Heizung geknackt. Das war‘s", erzählt er. Dass er nun dabei sein darf, wenn der symbolische rote Knopf für das iKWK gedrückt wird, macht ihn fröhlich: "Da merkt man wenigstens was davon."