Paul-Philipp Braun/TEAG

Zweite Thüringer Wärmetagung: Chancen der Wärmewende

Die TEAG-Gruppe zeigt, wie die Wärmewende in Thüringen schon heute Gestalt annimmt.

Geothermische Messungen rund um das Steigerwaldstadion in Erfurt; 250 Fachleute versammeln sich im Parksaal; der Bundesumweltminister Carsten Schneider wird per Video zugeschaltet: Bei der zweiten Thüringer Wärmetagung wird die Energiezukunft nicht nur diskutiert. Die TEAG-Tochterunternehmen TEAG Solar und TWS zeigen, wie die Wärmewende in Thüringen schon heute Gestalt annimmt.

Zusammenfassung

  • Wärmewende in Thüringen: Was Energieversorger, Politik und Wohnungswirtschaft konkret planen;
  • Perfekter Sturm oder Aufbruch? Was die Thüringer Energiebranche derzeit bewegt;
  • Eine erfolgreiche Wärmewende kann vor zukünftigen Energiekrisen schützen;

Unterschiedliche Wege zum Gelingen

Ab und zu vibriert der Boden. Doch die Erschütterungen sind so leicht, dass man sie fast für Einbildung halten kann. Erst beim zweiten oder dritten Mal stellt sich die Frage: Was war das? Peter Zaiß, Geschäftsführer der Stadtwerke Erfurt und Präsident der Industrie- und Handelskammer Erfurt, kennt die Antwort: Es sind Messvorgänge zur Prüfung auf mögliche Standorte für Bohrpfade, um Erdwärme zu nutzen. Bei der Prüfung werden kaum wahrnehmbare Schallwellen in den Boden geleitet.

Es sei kein Zufall, dass die Messungen ausgerechnet an diesem Apriltag rund um das Erfurter Steigerwaldstadion durchgeführt werden, erklärt Katrin Wittich. Sie ist Bereichsleiterin Planung und Bau bei der TWS Thüringer Wärme Service GmbH und zählt damit zu den Veranstaltern der zweiten Thüringer Wärmetagung: "Wir wollen heute zeigen, wie die Wärmewende ganz konkret aussehen kann. Die Stadtwerke Erfurt gehen eben diesen Weg und setzen auf Geothermie."

Klassentreffen der Energiebranche

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Wärmewende. Das Wort ist bei der Tagung in aller Munde. Rund 250 Vertreterinnen und Vertreter aus Energieunternehmen, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wohnungswirtschaft sind dafür zusammengekommen. Im Parksaal des Steigerwaldstadions sprechen sie den ganzen Tag über alles, was sich in irgendeiner Form mit Wärme und Wärmeplanung verbinden lässt.

"Die wichtigste Erkenntnis hier ist: Wo Wärmenetze sind, sind Netzbetreiber, Wohnungswirtschaft und Kommunen bereits gut verzahnt“, erklärt Rico Bolduan. Als Geschäftsführer der TWS tauscht er sich regelmäßig zu dem Thema aus und ergänzt: "Bei der Wärmetagung kommen die handelnden Akteure zusammen und in den Austausch. Das ist wie bei einem Klassentreffen, wo man sich regelmäßig updatet."

Zu diesem Klassentreffen ist unter anderem auch Staatssekretärin Katrin Arndt aus dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gekommen. Rund 14 Minuten dauert ihr Grußwort. Sie beschreibt den Ist-Zustand der Energieversorgung in Thüringen und die Integration nachhaltiger Lösungen als zentrales Instrument bei der CO₂-Reduktion.

 

Gelingende Wärmewende kann vor Energiekrisen schützen.

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Drastischer formuliert es der Bundesumweltminister, Carsten Schneider. Wenngleich er selbst nicht an der Netzwerkveranstaltung teilnehmen kann, hat er eine Videonachricht geschickt. Deren Kernbotschaft: "Eine erfolgreiche Wärmewende macht uns weniger verletzlich bei zukünftigen Energiekrisen und sie bringt den Klimaschutz weiter voran."

Direkt nach den Grußworten kommen neben TWS-Geschäftsführer Rico Bolduan, Christian Dornack von der Netze-Sparte der Stadtwerke Jena und Kay Eberhardt für die SWE Energie auf die Bühne und äußern sich zur aktuellen Lage.

In ihren Vorträgen gehen die drei Energieexperten auch auf das Thüringer Klimagesetz von 2018 ein. Aus dem Gesetz sei eine Konzeption mit 36 verschiedenen Lösungsansätzen für eine klimaneutrale Fernwärmeversorgung in den Versorgungsgebieten entstanden. Mit der ersten Thüringer Wärmetagung im Jahr 2023 habe man eine Austauschplattform geschaffen, die durch das Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk (ThEEN) getragen werde, so Rico Bolduan.

Nachhaltigkeit, Preissensibilität und Versorgungssicherheit sind gefragt

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Die gegenwärtige Lage der Versorger im Dreieck aus Nachhaltigkeit, Preissensibilität und Versorgungssicherheit sei alles andere als ideal, so Rico Bolduan. Er spricht von einem "perfekten Sturm", dem sich die Akteure der Wärmewende gegenübersehen und bei dem unter anderem die Inflation, Lücken in der Regulierung der Wärmeversorgung und fehlende durchdachte Fördermittelansätze eine Rolle spielen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion äußert Dr. Matthias Sturm, TEAG- Geschäftsbereichsleiter Unternehmensentwicklung und Kommunikation, den Wunsch nach einem klaren Bekenntnis der Politik zu einer treibhausgasneutralen, versorgungssicheren Wärmeversorgung. Die Überarbeitung von Gebäudemodernisierungsgesetz und Wärmeplanungsgesetz könnten dafür weitere Ansatzpunkte sein.

In der anschließenden Podiumsdiskussion äußert Dr. Matthias Sturm (siehe Bildmitte Foto), TEAG- Geschäftsbereichsleiter Unternehmensentwicklung und Kommunikation, den Wunsch nach einem klaren Bekenntnis der Politik zu einer treibhausgasneutralen, versorgungssicheren Wärmeversorgung. Die Überarbeitung von Gebäudemodernisierungsgesetz und Wärmeplanungsgesetz könnten dafür weitere Ansatzpunkte sein.

Zeigen, wie die Wärmewende in der Praxis aussieht

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Die Thüringer Wärmetagung ist jedoch nicht nur ein Ort, an dem zugehört und diskutiert werden kann. Es ist auch ein Vernetzungstreffen, das Platz für eine kleine Messeausstellung bietet. Neben der TWS hat auch die TEAG Solar die Chance dazu ergriffen und präsentiert sich am gemeinsamen Stand.

Für Martin Harlaß, Fachgebietsleiter Vertrieb, ist es ganz selbstverständlich, dass sich die Solar-Tochter hier mit präsentiert: "Mit der Integration von regional erzeugtem PV-Strom zur Versorgung von zum Beispiel Power-to-Heat-Anlagen, Blockheizkraftwerken (BHKWs) oder Wärmepumpen, tragen wir nicht nur zur Planungssicherheit bei, sondern leisten auch einen Beitrag für stabile Energiekosten, Energieunabhängigkeit und zur regionalen Wertschöpfung durch die Zusammenarbeit im Firmenverbund."

Gebündelte Kompetenzen im Energiesektor

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Insgesamt zeigt sich gerade bei der Wärmewende die Schlagkraft der TEAG-Gruppe. Durch die enge Vernetzung der verschiedenen Unternehmen – von Wärme über Solar bis hin zur Netz-Tochter TEN – können auch Großprojekte der kommunalen und individuellen Wärmeplanung gestemmt werden.

Das illustriert Katrin Wittich (TWS) in ihrem Vortrag zu bereits umgesetzten Referenzprojekten in Gera, Weida und Ohrdruf aus dem Bereich innovativer Kraftwärmekopplungsanlagen (iKWK) im Zusammenspiel mit einem Nahwärmenetz. Sie stellte hier Erkenntnisse und Erfahrungen der TWS vor und gab Einblicke in konkrete Maßnahmen zur Betriebsoptimierung.

Betriebsoptimierungen in der Stromvermarktung sind der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit von innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsprojekten. Voraussetzung für die gelungene Umsetzung von iKWK-Projekten ist, aus meiner Sicht, eine effektive und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten. Insbesondere betrifft es das Zusammenwirken zwischen uns als TWS und den Kunden sowie den ausführenden Firmen und den beteiligten Projektplanern. Außerdem sollte man die Belastung für die Projektleitung und
-vertretung beim Bau von komplexen technischen Anlagen nicht unterschätzen.

– Katrin Wittich, Bereichsleiterin Planung und Bau bei der TWS Thüringer Wärme Service GmbH