Roswitha Rauh als Zwiebekmarktkönigin in Weimar unterwegs
Paul-Philipp Braun/TEAG

Roswitha I. ist Weimars 33. Zwiebelmarktkönigin

Zurück in Weimar: Roswitha Rauh setzt ihre erfolgreiche Karriere in der Heimat fort

Roswitha Rauh ist Weimars 33. Zwiebelmarktkönigin, kam aber erst über Umwege aus dem Rheinland zurück in die Heimat. Bei der Thüringer Netkom hat sie ihre neue berufliche Heimat gefunden, in Weimar ihr Zuhause.

Überblick

  • Roswitha Rauh ist seit knapp 2 Jahren Fachgebietsleiterin für Privatkundenvertrieb und Kundenservice bei der Thüringer Netkom, nachdem sie zuvor zehn Jahre bei einem Telekommunikationskonzern in Düsseldorf gearbeitet hatte.
  • Über eine Rückkehrer-Messe fand sie den Weg zur TEAG-Gruppe.
  • Nebenbei ist sie als Königin unterwegs, ein Ehrenamt, das sie mit Job und Familie unter einen Hut bringt.

Roswitha I.

Paul-Philipp Braun/TEAG

Waren es 5.000, 20.000 oder vielleicht mehr? Roswitha Rauh hat keine Ahnung, wie viele Fotos sie am zweiten Oktoberwochenende gemacht hat und auf wie vielen Fotos sie selbst drauf ist. Fakt ist aber, dass es viele sind. So viele, dass selbst eine kurze Strecke durch die Weimarer Innenstadt für die 36-Jährige am besagten Wochenende ewig dauerte. Und dann fiel Roswitha Rauh auch noch auf: Mit einem leuchtend grünen Kleid und ihren roten Haaren stach sie aus der Masse heraus. Und das sollte sie auch. 

Roswitha Rauh ist derzeit besser als Roswitha I. bekannt. Sie ist Weimars 33. Zwiebelmarktkönigin und gehört definitiv zu den Menschen, denen die Sympathie sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben steht. Das zeigt sich auch zwei Tage nach dem Weimarer Zwiebelmarkt, als ihre Hoheit die Tür zum nicht royalen Büro öffnet. Hier im dritten Stock des Gebäudes N3 auf dem TEAG-Campus residiert sie ganz bürgerlich. „Hier leben wir das Desk-Sharing-System, wie es inzwischen viele Unternehmen fahren“, sagt Roswitha Rauh und zeigt auf ihren leeren Schreibtisch, auf dem nur ein Laptop an einen größeren Bildschirm angeschlossen ist. 

Zehn Jahre am Rhein

Paul-Philipp Braun/TEAG

Das System kenne sie bereits aus Düsseldorf – „Ich kenne es nicht anders“, berichtet Roswitha Rauh. Sie habe bei einem großen Telekommunikationsdienstleister gearbeitet und vor allem die Konzernstrukturen zu schätzen gewusst, erzählt sie. Dass sie inzwischen nicht mehr am Rhein arbeitet, sondern wieder in Thüringen ist, sei eine eigene und bewusste Entscheidung gewesen. Aber eine, die ihr durch viele glückliche Zufälle erleichtert worden sei.

Doch zurück an den Anfang ihrer Geschichte. Roswitha Rauh wurde 1990 in Weimar geboren, zog dann mit ihren Eltern ins Weimarer Land und studierte in Jena Wirtschaftswissenschaften. „Nach dem Bachelor wusste ich, dass ich auch nochmal raus aus Thüringen möchte und dass es genau die richtige Zeit dafür war“, sagt sie rückblickend. Rauh ging für einen Master in BWL nach Regensburg, arbeitete ein halbes Jahr in Indien und machte ein Auslandssemester in Frankreich. Dann kam sie bei besagtem Telekommunikationsunternehmen in dessen Zentrale in Düsseldorf unter. „Ich wollte ursprünglich nur zwei Jahre bleiben, das interessante Trainee-Programm mitnehmen und mich anschließend anderswo bewerben“, sagt Rauh und lacht einmal mehr: „Daraus wurden dann zehn Jahre.“

Zurück in die Heimat

Paul-Philipp Braun/TEAG

Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes zog es die gebürtige Weimarerin aber doch zurück in die Heimat. „Mein Mann und ich waren uns hier immer einig – er ist ein Jenenser – sobald die Kinderplanung abgeschlossen ist, wollten wir zurück“, sagt Roswitha Rauh. Und wenngleich ihr nordrhein-westfälischer Arbeitgeber ihr auch nach dem Umzug ins heimatliche Weimar die Stelle hielt und sie 100 Prozent im Homeoffice hätte arbeiten können, kam dies nicht in Frage. „Ich habe mich dort toll entwickeln können, habe im Marketing gestartet und war zuletzt im Controlling aktiv. Dann nur noch von zu Hause aus zu arbeiten, war keine Option.“

Der Weg zur Krone

Paul-Philipp Braun/TEAG

Eine Rückkehrer-Messe in Erfurt sei dann der wichtige Schritt für die Weiterführung ihres Karriereweges gewesen, erzählt Roswitha Rauh. Sie sei dort zielstrebig zum TEAG-Stand gegangen – eine Online-Stellenausschreibung hatte ihr zuvor schon zugesagt – und den persönlichen Kontakt gesucht. „Alle waren sehr nett zu mir und bestärkten mich zu meiner Bewerbung“, erinnert sich Roswitha Rauh. Im Vorstellungsgespräch traf sie auf Hendrik Westendorff, Geschäftsführer der Thüringer Netkom. „Er hat mich dann als Fachgebietsleiterin für Privatkundenvertrieb und Kundenservice eingestellt“, sagt Rauh und berichtet, dass ihre Erfahrung im Telekommunikationsbereich und die Vielfalt ihrer Arbeitsgebiete darauf einen nicht unerheblichen Einfluss hatten. 

Von Roswithas neuem Titel erfuhren die Kollegen und der Geschäftsführer hingegen erst, als dieser feststand. Er habe gelacht, sagt die Zwiebelmarktkönigin, und ihr auch seine Unterstützung für das Ehrenamt zugesagt, aber auch verlangt, dass die Arbeit natürlich nicht liegenbleiben darf. Kurz zuvor hatte Roswitha Rauh sich einer Jury mit einem halben Dutzend Mitgliedern gegenübergesehen. In zwei Bewertungsrunden hatten diese Fragen rund um den Zwiebelmarkt gestellt, aber sich auch über ihre persönliche Geschichte ausgetauscht. „In der Jury saß unter anderem Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine, der die Rückkehrer-Erzählung sehr mochte“, sagt Roswitha Rauh. Nach gut zwei Stunden stand der Name der neuen Königin fest. Für die Netkom-Mitarbeiterin ein schönes Gefühl. Eines, das sie aber noch immer gar nicht beschreiben kann: „Ab dem Moment lief für mich alles wie im Film.“ Zwei Wochen lang besuchte sie immer wieder das Atelier der Schneiderin Christel Schöne, die der MDR eine Königinnen-Macherin nannte. 

Zwiebelkränze auf dem Weimarer Zwiebelmarkt
Paul-Philipp Braun/TEAG

Kleid, Krone und Kalender

Paul-Philipp Braun/TEAG

Gemeinsam feilten sie am grünen Kleid mit dem güldenen Besatz, passten Details an und unterhielten sich. „Da bin ich immer hin, wenn die Kinder schon im Bett waren und dann hatten wir ein wenig Zeit, uns gemeinsam auf das Kleid zu konzentrieren“, sagt Rauh und bleibt beim Stichwort Zeit hängen. Denn ihr neues Ehrenamt sei arbeitsaufwändig. Als Repräsentantin der Stadt Weimar für ein Jahr ist die Zwiebelmarktkönigin auf Veranstaltungen unterwegs, besucht Kindergärten und Eröffnungen, übergibt Preise und zeigt die Schönheit ihrer Stadt. „Ich habe der Jury ehrlich gesagt, dass ich das Amt mit Familie und Job unter einen Hut bringen muss“.

Dass sie nach drei anstrengenden Zwiebelmarkt-Tagen nicht einfach krank wird, das läge zum einen daran, dass ihr die Begegnungen viel mehr Energie gebracht als gekostet hätten, sagt Roswitha I. Zum anderen sei es aber auch der guten Arbeit der Königinnen-Schneiderin zu verdanken gewesen und einem altbekannten Prinzip der königlichen Kleidung: dem Zwiebelprinzip.

Fragen und Antworten

  • Rückkehrer-Messen, wie die von der Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung (ThAFF) organisierte Jobmesse „comeback“, bringen Thüringer Unternehmen gezielt mit Fachkräften zusammen, die aus anderen Bundesländern zurück in die Heimat ziehen möchten. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel im Freistaat entgegenzuwirken.

  • In der TEAG-Unternehmensgruppe, zu der auch Tochterunternehmen wie die Thüringer Netkom gehören, arbeiten rund 2.300 Mitarbeitende an mehreren Standorten in Thüringen.

  • Der Weimarer Zwiebelmarkt ist Thüringens größtes und ältestes Herbstvolksfest. Erstmals 1653 als Vieh- und Zwiebelmarkt erwähnt, zieht er heute an drei Tagen im Oktober z.T. mehr als 200.000 Besucher in die Weimarer Altstadt.