Carlo Bansini/TEAG

TEAG Solar nimmt Thüringens größte kommerzielle Agri-PV-Anlage in Betrieb

Die TEAG Tochter betreibt die PV-Anlage und regionale Agrar-Partner kümmern sich um die Bewirtschaftung und den Verkauf der Ernte.

In Bad Klosterlausnitz geht Thüringens größte kommerzielle Agri-Photovoltaikanlage ans Netz. Solarmodule und Nutzpflanzen teilen sich eine Fläche. Wer an der 6,4 Hektar großen Fläche vorbeifährt, übersieht leicht, dass unter den Solarmodulen Beeren und kleine Apfelbäume wachsen.

Überblick

  • Die PV-Anlage in Bad Klosterlausnitz soll knapp sieben Gigawattstunden Strom pro Jahr ins Netz einspeisen. Damit könnten rund 2.300 Haushalte versorgt werden.
  • Unter mehr als 100 Modulreihen wachsen bis zu zehn Beerensorten und kleine Apfelbäume.
  • 4.000 Pflanzen werden eingesetzt.

Landwirtschaftlich und energiewirtschaftlich genutzte Fläche

Carlo Bansini/TEAG

Es ist einer der letzten warmen Spätsommertage Anfang Oktober, an denen gut ein Dutzend Autos über die staubigen Waldwege im Wandergebiet Rodelandpark fahren. Entlang der Wege wechseln sich dichte Bewaldung und kleine Heidelandschaftsflecken ab. In regelmäßigen Abständen weisen geöffnete Schranken darauf hin, dass es sich hier um Forstwege handelt, die nur ausnahmsweisen von Gästen genutzt werden dürfen.

Was den geladenen Pressevertretern und Projektpartnern auf dem Gelände der Agri-PV-Anlage als Erstes ins Auge fällt, sind die etwa drei Meter hohen Stahlkonstruktionen. Unter ihnen wachsen junge Blaubeersträucher. Demnächst sollen Blaubeeren – zusammen mit Johannisbeersträuchern und Himbeergewächsen hier im größeren Stil angebaut werden. Ihre Heimat finden die Beeren in Bad Klosterlausnitz auf einer rund 6,4 Hektar großen Fläche unweit der Autobahn 4.

Dass ausgerechnet Beeren den Anfang machen, ist kein Zufall. Zahlreiche Landwirte und auch der Thüringer Bauernverband sehen in den Beerenpflanzen die optimale Wahl für den Anbau auf einer sowohl landwirtschaftlich als auch energiewirtschaftlich genutzten Fläche.

Beeren und Apfelbäume unter PV-Modulen

TEAG Solar

Angebaut werden sollen bis zu zehn Beerensorten, neben den Heidelbeeren etwa Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren und Aronia, dazu kleine Apfelbäume. Rund 4.000 Pflanzen sollen gepflanzt werden. Um sie kümmert sich die eigens gegründete Rüdersdorfer Bio GmbH, ein Tochterunternehmen der Rüdersdorfer Agrar GmbH. Auf einem kleineren Teil der Fläche zieht die Baumschule Zech aus Langenwetzendorf heimische Sträucher.

Die Ernte soll an den Einzelhandel in Hermsdorf, Bad Klosterlausnitz und Erfurt geliefert werden. Ein Teil davon geht wiederum an den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Saale-Holzlandkreis für dessen gastronomische Einrichtungen. Die Holzlandwerkstätten des ASB unterstützen als inklusive Initiative außerdem bei Ernte und Bewirtschaftung. Es folgen regelmäßige Untersuchungen der Gewächse, um in Studien nicht nur die Wirkung des Halbschattens zu erfassen, sondern auch das Wachstum und den Ertrag der Pflanzen zu dokumentieren.

Projekt mit Signalwirkung

TEAG Solar

Anja Nußbaum, Fachreferentin für Wirtschafts- und Regionalpolitik beim Thüringer Bauernverband, war ebenfalls unter den Gästen und betont die Offenheit der Thüringer Landwirtschaft und insbesondere des Bauernverbandes für die Planung von Agri-PV-Anlagen im Freistaat.

Sie weist aber auch auf die Herausforderungen hin: „Derzeit ist die Forschung noch nicht so weit, dass klassische landwirtschaftliche Kulturen unter den Solaranlagen angebaut und dann auch geerntet werden können“, sagt sie. Auch die Kosten für die Aufständerung der Module und die fehlenden Netzanschlüsse sieht sie noch als Herausforderung. Pilotprojekte wie in Bad Klosterlausnitz könnten jedoch dazu beitragen, die Akzeptanz von Agri-PV-Projekten zu verbessern, so Nußbaum.

Doppelte Ernte

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Energieminister Tilo Kummer betont in seinem Grußwort zur Eröffnung der Agri-PV-Anlage das große Interesse der Landesregierung. Der Minister sieht darin auch einen Weg, mehr Akzeptanz für neue Solarstrom-Einrichtungen im Freistaat zu schaffen.

Agri-PV-Anlagen schaffen einen doppelten Gewinn. Diese Anlage hier zeigt, wie wir an geeigneten Standorten in Thüringen Solarenergie erzeugen und gleichzeitig die Böden landwirtschaftlich weiter nutzen können. Die Verschattung hat hier außerdem einen kühlenden Effekt für die angebauten Pflanzen, was gerade in den heißen und trockenen Sommermonaten immer wichtiger wird.

– Tilo Kummer, Thüringer Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten

Auch Stefan Reindl, Vorstandsvorsitzender der TEAG, weiß um die hohe Attraktivität von Agri-PV-Anlagen. Dass in Bad Klosterlausnitz nun gezeigt werden könne, wie eine praktische Umsetzung aussieht, darüber freue Reindl sich ganz besonders.

Jetzt können zwei Ernten eingefahren werden. Die Stromernte und die Obst- und Gemüseernte. Wir sind sehr zufrieden, dass es uns gelungen ist, hier bei Bad Klosterlausnitz den ersten großen Ausbauschritt für diese neue Flächennutzung zu machen. Unter den Agri-PV-Modulen ist zudem auch landwirtschaftliche Tierhaltung möglich – ein weiterer Aspekt für bäuerliche Wirtschaftsbetriebe.

– Stefan Reindl, TEAG-Vorstandsvorsitzender

Vom Militärgelände zur Energieversorgung für 2.300 Haushalte

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Das Gelände im Osten des Saale-Holzland-Kreises wurde mehr als 100 Jahre lang militärisch genutzt. Bevor die Bebauung im März 2026 beginnen konnte, analysierte ein Kampfmittelräumdienst den Boden. Handgranaten und Munitionsreste mussten geborgen und anschließend fachmännisch entsorgt werden. 

Zukünftig speist die PV-Anlage auf dem Gelände knapp sieben Gigawattstunden Strom pro Jahr ins öffentliche Netz. Das reicht rechnerisch für rund 2.300 Haushalte.

Auch die umliegenden Gemeinden sollen etwas davon haben: Geplant ist eine Umlage von 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde für Bad Klosterlausnitz und die Nachbargemeinde Oberndorf. Über 20 Jahre kämen so gut 280.000 Euro zusammen.

Für die TEAG Solar ist Bad Klosterlausnitz ein Pilotprojekt mit starker Außenwirkung: Es soll zeigen, dass Energiewende und Landwirtschaft sich nicht ausschließen, sondern durchdacht ergänzen können. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, wie viele Landwirte im Freistaat diesem Beispiel folgen.

Die TEAG Solar plant und realisiert PV-Anlagen auf Dächern und Freiflächen jedweder Art. Weitere Informationen zu Agri-PV-Lösungen und Ansprechpartner für Realisierungsvorhaben finden Sie auf den Seiten der TEAG-Solar.
  • Die Beeren und Äpfel werden an den Bio-Einzelhandel in Hermsdorf, Bad Klosterlausnitz und Erfurt sowie an den ASB Saale-Holzlandkreis für dessen gastronomische Einrichtungen geliefert.

  • Die Anlage soll knapp sieben Gigawattstunden Strom pro Jahr ins öffentliche Netz einspeisen. Bad Klosterlausnitz und die Nachbargemeinde Oberndorf profitieren über eine Umlage von 0,2 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde

  • Bei dieser Art der doppelten Flächennutzung wird Solarstrom über PV-Module erzeugt und der Boden landwirtschaftlich zur Nahrungsmittelerzeugung genutzt. Die Idee gibt es bereits seit den 80er-Jahren. Häufig werden die Solarmodule auf hohen Gerüsten, meistens in über zwei Meter Höhe oder aber senkrecht, als vertikale Module aufgestellt. Die Anbaufläche

    befindet sich entsprechend unterhalb oder zwischen den Modulen. In Bad Klosterlausnitz sind die Module mehr als drei Meter hoch montiert, sodass auch kleine Landmaschinen darunter hindurchkommen.